Trauerhilfe
Als ich begann, mich mit der Umsetzung meines Wunsches, Bestatter zu werden zu beschäftigen, gehörte für mich nicht nur eine entsprechende Aus- und Weiterbildung dazu. Ich beschäftigte mich viel und intensiv mit der Frage nach dem DANACH. An wen und wohin können die Menschen sich wenden, die mit der Bewältigung des Verlustes und der Trauer nicht alleine fertig werden?
Auf der Suche nach einer geeigneten Begegnungsstätte für Hinterbliebene traf ich auf viele Menschen, die schon lange über diese Problematik nachgedacht haben, die immer wieder in ihrem beruflichen Alltag feststellten, dass eine solche Möglichkeit in Rostock fehlt. Ein ganz wichtiger Bestandteil unserer Arbeit als Bestatter ist es, dass unsere Arbeit nicht mit dem Kondolieren am Grab beendet ist. Eine Betreuung der Angehörigen nach einem Todesfall ist für uns ebenso wichtig, wie der einfühlsame Umgang in der Zeit bis zur Beisetzung.
Unter all den Befürwortern meines Wunsches, eine kostenlose Trauerhilfe ins Leben zu rufen, fand ich Unterstützung bei Frau Barbara Joseph (häuslicher Kranken- und Pflegedienst). Auch Frau Joseph empfand es schon immer als eine unbefriedigende und oft schmerzliche Situation, Menschen nach dem Versterben ihres Angehörigen, alleine lassen zu müssen. Frau Joseph stellte einen Raum in der Rostocker Innenstadt kostenlos zur Verfügung. Gemeinsam mit einer ebenfalls ehrenamtlich tätigen Therapeutin konnten wir unser Vorhaben in die Tat umsetzen und in Rostock, eine für alle Betroffenen kostenfreie Begegnungsstätte, schaffen.
Was wollen wir erreichen?
Jeder Mensch befindet sich nach dem Verlust eines geliebten Menschen in einer besonderen Situation. Oft rückt die Familie unmittelbar nach dem Sterben eines Angehörigen enger zusammen, doch nach einiger Zeit hören Hinterbliebene häufig den – meist gut gemeinten – Rat: „Nun musst Du langsam mal wieder in das Leben zurückkehren“. Doch wie kehrt man in das Leben zurück, wenn die Wunde beim Anblick eines Erinnerungsstückes, beim Anblick der Lieblingstasse des / der Verstorbenen immer wieder aufreißt? Wie kann man diese Lücke füllen? Manchmal brechen soziale Kontakte ab, weil man sich im Freundes- oder Bekanntenkreis wie das „fünfte Rad am Wagen“ fühlt. Und allzu oft bleiben Menschen ganz alleine und sehr einsam zurück. Diese und ähnliche Erfahrungen machen viele Betroffene und oft trauen sie sich nicht mehr, ihre Umgebung von ihren Sorgen, Problemen und ihrer Traurigkeit zu erzählen.
In unserem Trauerkreis geben wir Hinterbliebenen die Möglichkeit, Menschen mit gleichen Empfindungen zu treffen. Hier können sie sich austauschen und erfahren, dass sie nicht alleine mit ihren Gefühlen sind. Einsame Menschen können in der Trauerhilfe Kontakte zu Mitmenschen aufbauen, sich aus ihrer Isolation lösen und spüren, dass sie nicht alleine sind. Denn nichts tröstet mehr, als das gesprochene Wort.
Das Schönste, was wir in unserer Trauerhilfe erreichen können, ist, dass Betroffene ihre Telefonnummern austauschen, sich zu einem gemeinsamen Spaziergang oder Kaffee verabreden – und irgendwann unsere Hilfe und Unterstützung nicht mehr brauchen. Denn sie haben einen Weg gefunden, mit dem Verlust und der Trauer zu leben.
Was erwartet Sie?
Da es sich bei unserer Trauerhilfe um einen, für alle Betroffene offenen Gesprächskreis handelt, in dem zu jeder Zeit neue Interessenten willkommen sind, haben wir keine festen Strukturen, die auf bestimmte Trauerphasen abgestimmt sind. Die Teilnehmer unserer Gesprächsgruppe haben in der Bewältigung ihrer Trauer verschieden weite Wege zurückgelegt, sind aus verschiedenen Altersgruppen und sozialen Schichten. Wir haben uns ganz bewusst dazu entschieden, diese Selbsthilfegruppe so aufzubauen, dass sich hier Menschen treffen, die sich in verschiedenen Phasen der Trauerbewältigung befinden. So kann der Eine sehen, welchen Weg er schon geschafft hat, wie weit er tatsächlich schon gekommen ist und kann denen, die sich noch am Anfang des Weges befinden, ein wertvoller Ratgeber sein, jemand, der wirklich Mut macht. Denn diejenigen, die sich noch in einer frühen Phase ihrer Trauerbewältigung befinden, können nicht so recht glauben, dass irgendwann auch für sie die Sonne wieder scheint und der neue Tag auch anderes als Tränen, Schmerz und Sorgen bringt.
Niemand ist verpflichtet zu kommen, sich an- oder abzumelden. Aber jeder, der kommen möchte, findet hier offene Ohren, verstehendes Zuhören, tröstende Worte, Ratschläge und jemanden, der ihn / sie in den Arm nimmt.
In unregelmäßigen Abständen versuchen wir Impulse zu setzen. Impulse die unsere Teilnehmer nicht nur auf andere Gedanken und neue Ideen für ihre Freizeitgestaltung bringen können. Bei gemeinsamer Beschäftigung findet man oftmals einfacher und näher zusammen, als in einem Gesprächskreis. Zum Beispiel laden wir eine Kunsttherapeutin ein, die mit den Teilnehmern kreativ gestaltet oder organisieren in der Adventszeit eine Kaffeetafel, zu der wir Menschen aus anderen Treffen und Selbsthilfegruppen zu Selbstgebackenem einladen. Und natürlich kann und darf sich jeder unserer Teilnehmer mit eigenen Ideen einbringen und die Gestaltung unserer Treffen mitbestimmen.
Manchen Menschen fällt es zunächst schwer, sich in einer Gruppe zu öffnen. Daher bieten wir auch die Möglichkeit zu Einzelgesprächen an. Um dieses Angebot zu nutzen, bitten wir Sie, einen Termin mit uns zu vereinbaren.
Unsere Selbsthilfegruppe „Trauerhilfe“ trifft sich 14-tägig Montags um 17.00 Uhr in Rostock, Am Vögenteich 26 (Stadtbüro Häuslicher Kranken- und Pflegedienst Barbara Joseph). Für weitere Informationen erreichen Sie uns unter folgender Telefon-Nr.: 0381 / 8008483.
Möchten Sie mehr über die Phasen der Trauer, die Gefühle in diesen Phasen und den Umgang mit Trauernden wissen, senden wir Ihnen gerne kostenlos unser Informationsblatt zu.
« zurück zur Website |